Samstag, Juli 01, 2006

YOU MADE MY DAY!

Es gibt sie, diese Tage aus Jim-Carrey-Filmen, an denen die Welt auf Glatteis läuft und man dem Schicksal am liebsten einen ordentlichen Tritt in den Hintern verpassen würde.

Szenerie: Bremen, 30. Juli 2006, Deutschland elfmetert sich ins Halbfinale, die Emotionen werden weichgekocht wie ein ordentliches Gulaschgericht, große Freude, Euphorie. Alles ist in Trinklaune, auch die Autorin diese Blogs. Wenn da nicht der übermächtige Gewissensengel freundlich, aber bestimmt auf die Schulter derselben klopfen würde und ständig die güldenen Worte der Tugend vor sich hinfaselte... "Morgen um 10:15, LOGIK! KLAUSUR!!!".
Der frühzeitige Abbruch des perfekten Abends stellt sich also unübersehbar in den Weg, der Abschied von der inzwischen leicht alkoholisierten Bande wird ordnungsgemäß durchgeführt, ich füge mich meinem Schicksal.
Noch im Treppenhaus zu meiner Wohnung (das ganze Haus scheint ausgestorben, alle Welt treibt sich auf den Strassen Bremens herum) klingelt mein Telefon in einem hiobsbotschaftverdächtigem Ton. Mein Vater übermittelt mir die traurige Nachricht, dass meine Oma heute Nachmittag vestorben ist. Ich muss mich setzen. Tief durchatmen. Weinen. Versuche mich abzulenken, gehe noch einmal meine Übungszettel durch. Nichts bleibt hängen. In meinem Kopf ein großes, jeden Gedanken verschlingendes Loch. Mir bleibt nichts weiteres übrig, als zu versuchen mir ein paar Stunden Schlaf zu verpassen, damit nicht auch noch die Klausur, die in weniger als zehn Stunden unausweichlich beginnen wird, im völligen Chaos endet. Doch alle paar Stunden weckt mich die Unruhe, piekst mich mit einem spitzen Finger in die Nieren und feixt: "Das wird nix, das wird nix, Ätsch, jetzt konzentrier dich doch mal auf mich!"
Der nächste morgen beginnt also folgerichtig mit einer völlig verschlafenen Autorin... und dennoch gelingt es mir frühzeitig die Stassenbahnhaltestelle zu erreichen. An dieser Stelle muss eine klare Unterscheidung zwischen den Worten "frühzeitig" und "rechtzeitig" gemacht werden. Obwohl ich früh genug an der Haltestelle war ( ich hatte 20 Minuten mehr Zeit eingeplant als gewöhnlich), kam ich nicht zur rechten Zeit, um die die letzte noch funktionierende Bahn zu erwischen. Zuerst wurde ich mit dem Unwort "Schienenersatzverkehr" konfrontiert, was in meinem Fall bedeutet, dass meine drei-Minuten-Strecke in etwa das dreifache an Zeit in Anspruch nahm, weil der Schienenersatzverkehr ein langsamer Bus war, der einen großen Bogen zu der Anschlusshaltestelle fuhr. Dort angekommen verpasste ich um ein Müh die Anschlussbahn, an dieser Stelle möchte ich meinen herzlichsten Dank dem Schicksal ausrichten, welches mich die ganze Zeit so tatkräftig unterstützte. Aber eben diese Schicksal hatte noch ein Extrabonbon für mich in der Tasche. Zwei weitere Bahnen waren offensichtlich von eben diesem saboutiert worden, sie fuhren in die Haltestelle ein und wurden als nicht autorisiert für den weiteren Fahrgasttransport klassifiziert. Kurz und gut: Ich war den Tränen nahe. Ich wusste, den Klausurbeginn würde ich auf diese Art und Weise um eine gute halbe Stunde verpassen. Verzweifelt strengte ich mein ach so gemartertes Hirn an, zählte mein Geld und fragte den Polizisten, der in seinem Wagen ein leckeres Frühstücksbrötchen verspeiste nach der Nummer eines Taxiunternehmens. Dort angerufen blieb mir wieder nichts anderes übrig als zu warten. Dem Polizisten erzählte ich ganz nebenbei noch, auf die Rückfrage ob meines desolaten Zustands, warum ich so latent nervös wirkte.
Das Taxi lies sich Zeit. Ich tigerte die Strasse auf und ab, schickte ein Stoßgebet gen Himmel:" Schick mir einen Freund und Helfer!".
Und ganz als ob da jemand Mitleid hatte hielt in dem Moment ein Großraumpolizeiwagen neben mir und die insässigen Polizisten sprachen mich an. Was nun passierte grenzt an ein Wunder. Ein echtes Großstadtmärchen! "Du bist doch diejenige, die ne Klausur schreibt, oder? Komm, steig ein, wir fahren dich.". Ich traute meinen Ohren nicht aber ich packte die Chance beim Schopf, stieg ein und schnallte mich ordnungsgemäß an. So verdattert wie ich war, brachte ich kaum ein Wort heraus, die Polizisten transportierten mich im Eiltempo zur Uni, ich schaffte es grade noch mich zu bedanken und rannte in den Kursraum. Ich war grade mal 4 Minuten zu spät und die Zettel wurden just in diesem Moment verteilt.

Und ich möchte jetzt und hier uuuund an dieser Stelle sagen: Danke liebe Polizei, you made my day!

1 Comments:

Anonymous Henning said...

Super Geschichte! Hoffe, die Prüfung ging dann auch noch gut aus.
Ich hab demnächst auch Prüfungen, morgens um 9 Uhr. :-(

18 Juli, 2006 23:11  

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